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Schleier vor den Augen

Fahrrad fahren im Regen bringt immer die besten Gedanken. Abends dauert der Weg schnelle zehn oder mittelmäßig faule 15 Minuten, es geht immer ein bisschen bergauf, was dem Weg morgens zugute kommt. Morgens ist er nur sieben Minuten lang. Oder auch zehn, wenn alle Ampeln rot sind oder Postfahrräder vorne auf dem Fahrradweg, die sind so breit, an denen schnell vorbeizukommen ist schwierig.

Auch jetzt, wo selten die Sonne scheint und es sich anfühlt, als würde bald ein großer Fluss durch die Fußgängerzone fließen, wie in diesen Filmen, die an Feiertagen nachts im Fernsehen kommen, von denen man nicht loskommt, weil die Welt zuerst gerettet werden muss, sonst geht sie unter, während des Schlafs in der Nacht.

Nicht zur Flutung der Stadt in der U-Bahn sitzen, dafür in der Kunststoffkleidung auf dem 15 Minuten Weg, immer mit Gegenwind, auf dem Fahrrad, leicht bergauf, die Brillengläser gesprenkelt und fast unsichtbar, nur noch Lichtschlieren, grün und rot, fahren oder stehen bleiben, durch die Jacke durch klebt der Pulli an den Armen, auch die Füße werden nass, wie konnten Menschen früher auch mit diesem Fett aus angeblich bewährten alten Zeiten mit trockenen Füßen nach Hause kommen in ihren Stiefeln, die sie täglich trugen.

Dem Mann, der im strömenden Regen die Straße entlang läuft, mit seinen Einkäufen aus dem Bioladen in der Papiertüte, bleibt stehen. Alles klebt an seinem Körper, die Tüte hat plötzlich keinen Boden mehr, Glas zerplatzt auf dem Asphalt, Buttermilch, Joghurt, alles wird schnell fortgespült, er steht in einer weißen Lache, die immer dünnflüssiger wird, inmitten seiner Scherben, ein paar Tomaten kullern durch den Regen. Die Ampel: rot, dann grün. ich denke an die Zeit, wo wir auf kleinen Fahrrädern durch menschenleere Straßen rasten, durch und durch nass nach Hause kamen. Handtuch im Hausflur, wollige Schuhe, jemand, der über die feuchten Haare streicht. Diese Zeit gab es, oder?